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Gestalttherapie und Maskenarbeit

In der Maske wird lebendig, was ist. Unbewusstes Material, Überzeugungen, Projektionen, existentielle Themen werden sichtbar und damit anschaubar. Die Maske ist ein Mittel der Bewusstmachung. Innere Stimmen, Anteile meiner Selbst finden eine äußere Form. Dadurch setze ich sie gleichsam aus mir heraus und bekomme somit die Möglichkeit, mich zu differenzieren. Bevor eine heilsame Integration der oft unliebsamen Anteile erfolgen kann, ist es wichtig, diese Anteile näher kennen zu lernen, ihnen eine Gestalt, eine Stimme zu geben (vgl auch die Polaritätenarbeit in der Gestalttherapie). In dem Moment kann auch eine Entidentifizierung stattfinden von z.B. einer Wesensart, einer Sichtweise, von der ich vorher glaubte, das zu sein. Es geht um ein Sich-Differenzieren, ein Entidentifizieren, bevor dieser Anteil angenommen werden kann und sich dann verändern darf im Sinne einer heilsamen Integration.
Im Maskenspiel erleben wir Lebensthemen wieder, die sich auf symbolischer Ebene aus der Interaktion mit anderen Maskenwesen ergeben. Die Bühne des Lebens entfaltet sich in einem geschützten Rahmen und kann in einer gemeinsamen Reflektion liebevoll angeschaut werden.
„Irgendwann erfindet jeder einmal eine Geschichte, die er für sein Leben hält.“Maskenarbeit ist das Spiel mit dem eigenen lebendigen Mythos.

WAS IST GESTALTTHERAPIE?
(Angelehnt an eine Beschreibung der Deutschen Vereinigung für Gestalttherapie e.V. (DVG) )

Die Gestalttherapie steht in der Tradition der humanistischen Verfahren und basiert auf einem ganzheitlichen Weltbild, in dem der Mensch als Einheit von Körper, Seele und Geist, eingebunden in ein soziales und ökologisches Umfeld betrachtet wird.
Die Gestalttherapie wurde in den 40er Jahren von Fritz und Lore Perls, beide zu der Zeit als Pychoanalytiker tätig, sowie dem Soziologen Paul Goodman entwickelt und beschrieben. Perls suchte nach einer Methode, die sowohl die Bewußtheit im Hier und Jetzt, als auch Körperlichkeit, Lebensfreude und kreative Kompetenz fördert, die einer mehr ressourcen- und lösungsorientierten als einer krankheits- und leistungsorientierten Vorgehensweise entspricht.

Die Gestalttherapie hat sich im Laufe der Jahre weiterentwickelt und unterschiedliche Ausprägungen sind entstanden. Im Wesentlichen handelt es sich aber bei „Gestalt“ nicht um eine bestimmte Methode, sondern um eine therapeutische Grundhaltung und sich daraus ergebende Prinzipien:

DIE PARADOXIE DER VERÄNDERUNG

„Als ich aufhörte, zu kämpfen und an einer Änderung zu arbeiten, als ich Wege fand, anzunehmen, wie ich bereits geworden war, entdeckte ich, dass ich mich gerade dadurch veränderte.“ (Arno Beisser in „Wozu brauche ich Flügel?“)
„Was ist, darf sein. Was sein darf, verändert sich.“ (Werner Bock)

WACHSTUM UND ORIENTIERUNG

Die Gestalttherapie geht von einem lebenslangen Wachstumsprozess aus. Jeder Mensch hat grundsätzlich das Potential zu und das Bedürfnis nach geistig-seelischer Gesundheit, Wachstum und kreativen Lösungen. Die Beschäftigung mit Fragen bzw. Problemen, die in gegenwärtigen Erlebnissen auftauchen, sind meist der Ausgangspunkt für die Erforschung des Selbst und der dabei deutlich werdenden Wachstumshemmnisse. Vergangenes kann beeinflusst werden, indem es im „Hier und Jetzt“ dem Erleben zugänglich wird und dadurch bewusst wird. Erst dann können Möglichkeiten zur Neugestaltung erkannt und realisiert werden.

WAHRNEHMUNG

In der Gestalttherapie wird weniger „darüber geredet“, interpretiert oder analysiert. Durch den Dialog und die Betonung des Erlebens im Hier und Jetzt wird die Wahrnehmung des Klienten sensibilisiert und die Bewusstwerdung von Empfindungen, Gefühlen, Bedürfnissen und Phantasien gefördert. Körperliches Nachspüren und aus der Situation entwickeltes Experimentieren mit neuen Verhaltensweisen unterstützen einen Veränderungsprozess.

DIALOG UND KONTAKT

Entscheidend für die Wirkung der Gestalttherapie ist die dialogische Haltung des Gestalttherapeuten. Er tritt dem Klienten nicht als überlegener Experte gegenüber. Er begegnet ihm vielmehr als persönlich erkennbarer, verständnisvoller Mensch, der ihn mit Interesse und Engagement auf seiner Entdeckungsreise begleitet. Der Therapeut hilft dem Klienten, den eigenen Wunsch nach Veränderung herauszuarbeiten. Gleichzeitig konfrontiert er den Klienten damit, wie er sich davon abhält, seine Schritte zu tun, indem er aus dem fühlenden Kontakt geht mit sich und/oder mit seiner Umwelt. Der Therapeut frustriert den Versuch des Klienten, in die Vergangenheit oder Zukunft zu fliehen, indem er ihn ermutigt, in Kontakt mit dem gegenwärtigen Sein und seinem Gegenüber zu gehen.
Ein wesentliches Ziel der Gestalttherapie ist, dass der Therapeut dem Klienten hilft, wieder mehr in Kontakt mit sich selbst zu kommen, mehr Bewusstheit von sich zu erlangen, damit er wieder spüren kann, wer er ist. Mit zunehmenden Gewahr-Sein seiner Selbst, kann der Klient mehr und mehr Verantwortung für sich und seine Sicht auf die Welt übernehmen.
„Liebe ist die Bereitschaft Raum zu geben für das was sich verändern möchte“.